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Gibt’s natürlich auch zum Hören:

Früh übt sich

Der große Fehler bestand darin, dass ich das Lesen nicht in, sondern vor der Schule gelernt habe. Es hat mir eigentlich keiner beigebracht. Ich habe nur immer, wenn mir etwas vorgelesen wurde, den Text so gut es ging mitgelesen, und dann kam alles Weitere mehr oder weniger von selbst.

Bei der Einschulung schon flüssig lesen zu können kann den Schulanfang leider etwas langweilig machen. Ich glich das aus, indem ich mir eine alte schwarze Bibel aneignete und nach kurzer Zeit – vermutlich als weit und breit Einziger meiner Altersgruppe – auch Frakturschrift flüssig las, abgesehen davon, dass ich den Vierfürsten Herodes noch ab und zu zum Bierfürsten erklärte. Fraktur-Großbuchstaben sind komisch.

Der erste Auftritt ereignete sich dann auch bald, ich durfte oder musste (da ist meine Erinnerung nicht mehr ganz klar) auf dem Schulfest ein Kapitel aus Preußlers „Die kleine Hexe“ vorlesen (da ist sie es). Irgendjemand meinte hinterher, es habe witzig ausgesehen, wie der kleine Sprecher hinter dem großen Buch vollkommen verschwand. Vielleicht nahm mir diese harsche Kritik die Lust auf weitere Vorlesewettbewerbe. Doch von da an war ich als Sprecher „gesetzt“, wann immer es etwas zu sprechen gab. In der Schule musste ich oft als leuchtendes Vorbild für alle dienen, die mit dem Lesen echte Probleme hatten. Das war natürlich unsinnig bis kontraproduktiv, aber ich war noch zu jung zum Fremdschämen.

Technik

Ich entschied mich beruflich aber doch zunächst für die andere Seite des Mikrofons – nicht ohne immer wieder mit der einen zu liebäugeln. Als Tontechniker in der Hörfunk-Produktion in Baden-Baden gab es durchaus Gelegenheiten dazu, wenn spontan eine Stimme gebraucht wurde. Eine Aufnahme ins Sprecherteam wurde von mir aber nicht beantragt.

Hörbuch

2004 saß ich erstmals ernsthaft vor der Membran eines U 87 statt hinter dem Kabelanschluss. Ich war dem Aussaat-Verlag empfohlen worden, einige Hörbücher einzusprechen, Sammlungen von Geschichten für Seniorenheime und ähnliche Einrichtungen. Dieser Karrierestart sollte sich nicht fortsetzen, warum auch immer. Aber die zuständige Redakteurin zeigte sich sehr beeindruckt davon, dass ich auch längere Texte fast schnittfrei sprach. Spätfolgen der „Kleinen Hexe“. Heraus kamen drei CDs, die die Amazon-Suche findet, wenn man meinen Namen eintippselt. Immerhin.

Podcasts

In der folgenden Zeit baute ich mir eine selbständige Tätigkeit als freier Redakteur in der Unternehmenskommunikation auf. Auch hier wird zunehmend gesprochen und abnehmend getippt, seit einiger Zeit entwickeln wir interessante Podcast-Formate für betriebsinterne Themen. Die ich hier aus verständlichen Gründen nicht veröffentlichen kann. Meine Kunden schätzen dabei besonders, dass ich Sprecher und Techniker in einer Person bin und von zu Hause aus produzieren kann, zügig und flexibel.

In dem Kontext habe ich endlich auch die Sprechertätigkeit auf die Füße gestellt und am Logo-Institut Offenbach eine Ausbildung zum Studiosprecher absolviert.

Und da bin ich jetzt, bereit für Weiteres :-)

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